Dr.
Aribert Peters (Vorstandsvorsitzender Verband der Energieverbraucher):Deutschlandweit lehnen sich bereits 500.000 Haushalte gegen Gaspreiserhöhungen auf, die Verweigerungsquote beträgt bei einer Gesamtzahl von 17 Millionen Gaskunden je nach Region zwischen zwei und vier Prozent aller Abnehmer. Das Interessante dabei: Nicht ein einziger Verbraucher ist bisher zur Zahlung des vollen Gaspreises verurteilt worden. Es verwundert daher nicht, dass die Energieversorger gerichtlichen Auseinandersetzungen aus dem Wege gehen und sich mit Klagen gegen Kunden, die sich gegen Preiserhöhungen wehren, zurückhalten. Gaskunden sollten also bei Preiserhöhungen zuallererst ihren Versorger auffordern, seine Berechtigung zur einseitigen Preisanpassung nachzuweisen. Selbst wenn dem Gasversorger dies gelingen sollte, können die angekündigten Preiserhöhungen angezweifelt werden: Weil die Erdgasunternehmen die Preise einseitig festlegen, ohne dass die Verbraucher gefragt werden, dürfen die Preise nur um einen angemessenen Betrag erhöht werden. Juristen sprechen vom „billigen Ermessen“. Durch ungerechtfertigt hohe Preissteigerung bricht der Energieversorger (EVU) seine Verpflichtung zur billigen Preisfestlegung. Jeder Verbraucher kann verlangen, dass ein Gericht feststellt, welcher Energiepreis „billigem Ermessen“ entspricht.
Dr.
Haschter (Leiter GASAG AG Kommunikation):In einer insgesamt schwierigen wirtschaftlichen Situation sind Preissteigerungen natürlich nicht erfreulich. Aber wir müssen uns zumindest mittelfristig auf ein hohes Energiepreisniveau einstellen. Denn die Rahmenbedingungen stehen fest: Der weltweite Energiehunger nimmt rasant zu. China und Indien entwickeln einen enormen Nachfragedruck. Diese Länder verhandeln mit den wenigen Erdgas produzierenden Ländern über große Lieferprojekte. Andere bisher liefernde Länder werden ebenfalls zu Nachfragern auf dem Markt, weil die eigenen Förderquellen nachlassen.
Die Förderländer werden sich also künftig noch genauer fragen, wem sie ihr Erdgas verkaufen. Es ist ein regelrechter Wettbewerb um Produzenten entbrannt. Deutschland ist bei Erdgas zu über 80 Prozent importabhängig und mit stark gestiegenen Einkaufspreisen konfrontiert.
Auch die Bezugskosten der GASAG haben sich drastisch erhöht, die im eigenen Haus nicht aufgefangen werden können und leider zum großen Teil weitergegeben werden müssen. Dabei darf auch nicht vergessen werden, dass heute 30 Prozent des Preises Steuern und Abgaben sind. Die GASAG profitiert nicht von den Preiserhöhungen. Unabhängige Wirtschaftsprüfer haben bestätigt, dass die Einkaufspreise der GASAG stärker gestiegen sind als die weitergegebene Preisanpassung.
Mein persönlicher Tipp: Jeder sollte überprüfen wie alt sein Gaskessel, wie gedämmt sein Haus oder seine Wohnung ist, wie man vernünftig lüftet. Kann ich Sonnenenergie einsetzen, macht vielleicht ein Erdgasauto Sinn?
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