Gefahr der ausländischen Investoren in Berlin

Hartmann Vetter Die Neue Wohnung im Gespräch mit Hartmann Vetter, Berliner Mieterverein e.V.

„Wer hat Angst vorm schwarzen Mann?“ – jeder kennt das Spiel mit dem gewissen Nervenkitzel noch aus Kinderzeiten. Die aktuelle Diskussion um die Massenaufkäufe von Berliner Immobilien lässt Parallelen erkennen: Ersetzt man den schwarzen Mann durch die ausländischen Investoren (damit zusammenhängend drohende Mieterhöhungen) und die weiteren Mitspieler durch Banken, Mieter- und Vermietervereine und den Berliner Senat hat man ein ähnliches Szenario. Nur dass man nicht mehr weiß, vor wem und was man eigentlich Angst haben muss bzw. inwieweit die Angst berechtigt ist... Hartmann Vetter vom Berliner Mieterverein e.V. antwortet für Die neue Wohnung auf Fragen zum Thema.

Berlin galt lange Zeit als el Dorado für Mieter: große Auswahl an bestem Wohnraum für wenig Geld. Inwieweit gilt dies Ihrer Meinung nach heutzutage immer noch?
In Berlin gibt es nicht einen Wohnungsmarkt, sondern viele Teilmärkte regionaler und struktureller Natur. Wenn Sie beispielsweise in einer Großsiedlung eine Wohnung suchen, werden Sie sehr schnell erfolgreich sein, wohingegen eine bezahlbare Altbauwohnung in Charlottenburg oder Steglitz ein Traum bleiben wird.

Makler sprechen von einem regelrechten Run auf Berliner Immobilien durch ausländische Investoren. Hintergrund des Interesses sind die Annahmen, dass in absehbarer Zeit die Immobilienpreise in Berlin stark anziehen werden und ebenso Gewinne durch zukünftige Mietsteigerungen erwartet werden dürfen. Wie berechtigt sind diese Hoffnungen?
Da werden sich die Investoren wohl in den Finger schneiden. Sicherlich sind die Immobilienpreise in Berlin verglichen mit richtigen Metropolen wie London, Paris oder New York niedrig. Allerdings sind die Löhne und Gehälter der Bewohner, die die Mieten ja zahlen sollen, auch niedrig. Entscheidend ist also die konjunkturelle Entwicklung, ob sich die Hoffnungen der Investoren erfüllen. Wenn nicht, sind die Mieter auch die Leidtragenden, denn jede Insolvenz führt zu Problemen bei der Bewirtschaftung der Grundstücke: Es werden die Betriebskostenvorauszahlungen häufig nicht zweckentsprechend für die Bezahlung der Versorgungsunternehmen, wie Wasserbetriebe und Fernwärme genutzt.

Die Gefahr bei ausländischen Investoren ist immer, dass diese die Objekte kurzfristig aufkaufen und dann bei entsprechender Steigerung der Rendite gewinnbringend wieder abstoßen. Meist ist eine langfristige Investition von vornherein gar nicht eingeplant, was auch der Stadt Berlin nicht entgegen kommen kann. Gibt es irgendwelche Ideen, Investoren langfristig an die Stadt zu binden?
Es gibt keine für die Investoren verbindlichen Regelungen, die die Verfügungsfreiheit wirklich beschränken. Das Eigentumsrecht garantiert diese umfassend. Vertragsklauseln, die einen weiteren Verkauf, wenn auch nur befristet ausschließen, werden häufig nicht akzeptiert oder aber auch missachtet, ohne dass wirkliche Sanktionen zu befürchten sind. Deswegen ist es ja so wichtig, dass das Land keine weiteren öffentlichen Wohnungen mehr veräußert.

In einigen Teilen des Marktes, zum Beispiel bei Altbauten, haben die Aufkäufe schon zu einer Art Versorgungsknappheit geführt. Das Resultat sind steigende Mieten. Kann man dies als Vorboten einer Welle von Mieterhöhungen auch in anderen Marktbereichen sehen oder halten Sie dies für eine Ausnahmeerscheinung?
Dies sind in der Tat die Vorboten überproportionaler Mieterhöhungen. Denn je teurer gekauft wird, desto höher der Verwertungsdruck durch höhere Mieten und/oder Weiterverkauf nach Umwandlung in Eigentumswohnungen.

Sind die Investoren auf schnellen Gewinn aus, kann man erwarten, dass es zwar Mieterhöhungen geben wird, jedoch nicht weiter in die Instandhaltung der Objekte investiert wird. Der Mieter ist also doppelter Leidtragender. Kann er sich dagegen schützen?
Der Mieter hat auch nach einem Verkauf die Rechte aus dem Mietvertrag und aus dem Gesetz. Er kann und sollte diese wahrnehmen und beispielsweise die Instandhaltung notfalls gerichtlich einfordern.

Gibt es Stadtteile, die von ausländischen Investoren bevorzugt werden? Besteht die Möglichkeit, dass dadurch der Charakter von einzelnen Stadtteilen verändert wird?
Es gibt Investoren, wie amerikanische Pensionsfonds, die im Paket einkaufen, also ganze Wohnungsbaugesellschaften wie die GSW. Hier kann schon die Unternehmenspolitik Teile von Stadtteilen bestimmen. Skandinavische Investoren kaufen eher Einzelobjekte, da besteht dieser Einfluss eher nicht.

Wie beurteilen Sie die Einführung börsennotierter Immobilienfonds — sogenannte Reits?
Wir sind dagegen, da durch diese Form der Anlage der Verwertungsdruck nochmals steigt und die Wohnung zur bloßen Ware verkommt und kein Sozialgut mehr ist.

neu: zapf service app — der Umzugskalkulator für iPhone & Co.

www.lagerboxen.com
Erstellen Sie Ihre

und holen ein unverbindliches Angebot ein

www.immowelt.de

Werkzeug-news
FertigHaus

www.umzugskompass.de