Die Eigentumswohnung finanzieren

Jörg Sahr, Baufinanzierungsexperte der Stiftung Warentest, weist den richtigen und bezahlbaren Weg ins Eigenheim

Herr Sahr, würden Sie zum Kauf einer Eigentumswohnung in Berlin raten?
Nicht generell. Zunächst einmal müssen die finanziellen Voraussetzungen stimmen. Immobilienkäufer brauchen einen soliden Grundstock an Eigenkapital – möglichst 20 bis 30 Prozent - und ein ausreichend hohes Einkommen, um die Finanzierungs- und Bewirtschaftungskosten langfristig tragen zu können. Eine Eigentumswohnung ist außerdem eine langfristige Geldanlage. Für Leute, die beruflich mobil bleiben wollen oder müssen, können die eigenen vier Wände schnell zum Klotz am Bein werden.
Ob sich eine Eigentumswohnung lohnt, hängt außerdem von der Lage und der Gebäudequalität ab. Außerdem muss der Kaufpreis in angemessenem Verhältnis zur Miete für eine vergleichbare Wohnung stehen. Wegen der relativ niedrigen Mieten in Berlin ist das Kaufpreis/Miete-Verhältnis hier im Schnitt ungünstiger als in anderen Städten, etwa in Hamburg, Köln oder Frankfurt am Main. Eine Eigentumswohnung kann eine gute Anlage sein, aber nur bei einer sorgfältigen Auswahl und einem relativ günstigen Preis.

Jörg Sahr
Finanzierungsexperte Jörg Sahr

Welche Kosten kommen auf den potentiellen Käufer einer Eigentumswohnung zu?
Das Finanzamt verlangt in Berlin 4,5 Prozent Grunderwerbsteuer auf den Kaufpreis. Dazu kommen rund 1,5 Prozent an Notar- und Grundbuchgebühren und bei einem Kauf über einen Makler nochmals bis zu 7 Prozent Maklercourtage. Außerdem können je nach Zustand der Wohnung Renovierungskosten anfallen.
Zu den laufenden Kosten gehören die Bewirtschaftungskosten einschließlich Instandhaltungsrücklagen und die Vergütung für den Verwalter, für die Wohnungseigentümer einen Abschlag in Form des Hausgeldes zahlen. Dazu kommen die Kreditraten aus der Finanzierung. Und wenn die Instandhaltungsrücklage nicht ausreicht, können Sonderumlagen für Reparaturen am Gemeinschaftseigentum anfallen, etwa für eine erforderliche Erneuerung der Fassade oder des Dachs.

Wie lange dauert die finanzielle Belastung durch den Kauf einer Eigentumswohnung?
Das kommt darauf an, welche Tilgung Sie sich leisten können und wollen. Viele Banken bieten Kredite mit nur 1 Prozent Anfangstilgung an. Die Raten sind dann verlockend niedrig. Doch so eine Minitilgung führt zu Kreditlaufzeiten bis über 35 Jahren und zu einem hohen Zinsrisiko nach Ablauf der ersten Zinsbindung. Um in 20 Jahren schuldenfrei zu sein, muss man schon mit einer Tilgung von rund 3 Prozent anfangen – und eine entsprechend höhere Rate zahlen. Wichtig ist: Spätestens mit Rentenbeginn sollten die Kredite abgezahlt sein.

Ist die Eigentumswohnung immer noch die krisensichere Wertanlage?
Krisensicher waren Eigentumswohnungen noch nie. Anfang der Neunzigerjahre haben sich vor allem viele Kapitalanleger überteuerte Eigentumswohnungen andrehen lassen, die sie später nur mit hohen Verlusten wieder los wurden. Viele sind heute ruiniert, weil sie die Wohnungen voll auf Pump finanziert hatten und der Verkaufserlös längst nicht zur Rückzahlung der Kredite ausreichte. Aber auch bei Eigentumswohnungen in guter Lage, die ihren Preis wert sind, geht die Wertentwicklung nicht immer nur nach oben. So sind die Preise in den letzten zehn Jahren in Berlin eher gesunken, teilweise sogar kräftig. Längerfristig gibt es hier natürlich die Chance auf eine positive Wertentwicklung und der Trend scheint sich langsam umzukehren. Eine Garantie dafür gibt es aber nicht.

Werkzeug-news

neu: zapf service app — der Umzugskalkulator für iPhone & Co.

FertigHaus
Erstellen Sie Ihre

und holen ein unverbindliches Angebot ein

www.immowelt.de

www.umzugskompass.de