Mobilität

Berlin in Bewegung – von Alex bis Zoo

Es geht auch ohne Auto — oder? Wir haben verschiedene Fortbewegungsmöglichkeiten getestet.

Fortbewegungsmittel / Faktor per Boot per S-Bahn per Pedes per Velotaxi
Boot
Foto: photocase.com © complize.net
S-Bahn
Foto: photocase.com © m.woitzik
zu Fuß
Foto: photocase.com © Gerti G
Velotaxi
Foto: veloform
Bequemlichkeit

Leider gelangt man nicht direkt vom Alexanderplatz zum Bahnhof Zoo, dass geben die Wasserwege Berlins einfach nicht her. Den Großteil der Strecke kann man allerdings mit der Stern- und Kreisschiffahrt GmbH zurücklegen: von der Anlegestelle Jannowitzbrücke in Mitte bis zur Anlegestelle Corneliusbrücke in Tiergarten. An Bord angelangt ist die Reise natürlich sehr bequem, schließlich handelt es sich um eine Vergnügungsfahrt. Die Fahrt zwischen Alex und Zoo ist relativ komfortabel – vorausgesetzt man ergattert einen Sitzplatz. Gestört wird die Bequemlichkeit allerhöchstens durch Gedränge auf den Bahnsteigen, überfüllte Waggons und manchmal den strengen Körpergeruch des Sitznachbarn. Der knapp zwei Stunden dauernde Streifzug ist nicht für jeden ein Spaziergang, auf Pfennigabsätze oder Lackschuhe sollte aber auch der geübte Wanderer verzichten. Außerdem säumen nicht viele Bänke die Strecke, einzig im Tiergarten ist genug Platz für alle Ruhesuchenden. Insgesamt bequem. Großartig: Unterwegs gekaufte Currywürste können fahrend verspeist werden. Das Mitleid für den schuftenden Fahrradfahrer sollte man möglichst unterdrücken.
Sehens-
würdigkeiten

Gibt es satt! Und Dank der Moderation an Bord wird man auf so manch historisches Gebäude aufmerksam gemacht, an dem man zuvor immer achtlos vorbei ging. Oder kennen Sie das alte Pumpwerk und den alten Getreidespeicher in Friedrichshain? Das ehemalige kaiserliche Patentamt in Kreuzberg? Falls nicht, so schafft eine Bootsfahrt Abhilfe. Mit einem wachen Blick, ein wenig Hals-Gymnastik und einem Fensterplatz gibt es auf der Fahrt vom Alexanderplatz zum Zoologischen Garten eine Menge zu sehen: Museumsinsel, Friedrichstraße, Regierungsviertel, Hauptbahnhof und die Siegessäule – um nur einige Beispiele zu nennen. Leierkastenmänner, lebende Skulpturen, Skate-Board-Künstler und gefühlte 90% der Sehenswürdigkeiten liegen an der Route durch das Herz Berlins. Die größte und einzige Weltstadt Deutschlands präsentiert sich von ihrer allerbesten Seite. Man fährt da vorbei, wo man will – z.B. quer durch den Tiergarten. Oder man bucht gleich eine Sightseeing-Tour.
Umwelt-
freundlichkeit


Tja, durch Luft und Liebe bewegt sich so ein Ausflugsdampfer leider nicht, schon eher durch einen Dieselmotor. Immerhin befördert dieser eine Vielzahl von Menschen auf einmal, zudem sind die Motoren zumeist neueren Datums und somit auf der Höhe der Zeit. Klimaneutral sind sie aber dennoch nicht. Die S-Bahn hätte eine grüne Umweltplakette wahrlich verdient. Denn: Würde man die benötigte Elektroenergie auf den Energiegehalt von Diesel umrechnen, verbrauchte die S-Bahn nur 1,2 Liter auf 100 Kilometer und damit weniger als Elektroautos. Von allen Fortbewegungsarten ist der Gang zu Fuß sicherlich am schadstoffärmsten. Zwar stößt der Fußgänger über die ausgeatmete Luft CO2 aus, produziert jedoch weder Feinstaub noch Stickstoffdioxid. Treuer Begleiter auf jeder Velotaxi-Fahrt: Das gute Gewissen, nur so viel CO2 ausgestoßen zu haben, wie der Fahrer ausgeschnauft hat – plus einige kWh für die elektrische Tretunterstützung.
Barrierefreiheit

Um ein Schiff zu betreten braucht es eine Anlegestelle – und die ist zumeist problematisch, sofern man auf einen Rollstuhl angewiesen, oder nicht mehr gut zu Fuß ist. Hat man es aber an Bord geschafft, braucht man sich um lästige Barrieren keine Sorgen mehr zu machen, denn die Flotte der „Kreis und Sternschiffahrt“ nennt eine Reihe von behindertenfreundlichen Schiffen ihr Eigen. Sowohl am Bahnhof Alexanderplatz als auch am Bahnhof Zoo sind die Bahnsteige mit Aufzügen gut zu erreichen. In der S-Bahn wird das Schließen der Türen mit Warnleuchten angezeigt. Mal breite und ebene Gehwege, dann wieder Baustellen und hohe Bordsteinkanten: Für Kinderwagen und Rollstühle stellenweise eine echte Herausforderung. Aber es tut sich was und bis zur vollständigen Barrierefreiheit bleibt immerhin der unverstellte Blick auf alle sich bietenden Sensationen. Leider gibt es keinen Kofferraum für Rollis und Kinderwagen. Für frischluftverwöhnte, aber eingeschränkt mobile Senioren sind Velotaxis aber der Geheimtipp schlechthin.
Preis-/Zeit-
Verhältnis


So eine Schifffahrt ist nicht billig (die komplette Brücken-Rundfahrt kostet 17,50 €), allerdings ihren Preis wert. Eilig darf man es auch nicht haben, denn für die Strecke von der Jannowitz- bis zur Corneliusbrücke benötigt man 1 Stunde und 40 Minuten. Allerdings: Man will es auch gar nicht eilig haben, denn an Bord hält man es wirklich gerne aus, während das Schiff gemütlich durch die einzelnen Bezirke tuckert. Die sieben Stationen vom Alex zum Zoo gibt’s für 2,10 € – in zügigen 12 Minuten. Mit einem Einzelfahrschein kann man sich aber auch zwei Stunden Zeit lassen: Zum Beispiel einfach Bellevue aussteigen, sich umschauen und mit der nächsten Bahn weiterfahren. Unbezahlbar sind nur die gesammelten Eindrücke. Im Übrigen gilt: preiswerter kann man sich nicht fortbewegen. Das gesparte Geld lässt sich entlang der Strecke entweder in Souvenirs oder in Erfrischungen umsetzen. Rund 20 € für die 6 km von Alex bis Zoo sind kein Schnäppchen, aber gut angelegtes Geld. Entspannter und besser durchgelüftet kann man in 40 Minuten inkl. Fotopause kaum zum Ziel kommen.
Besonders/nicht
geeignet


   
Nicht geeignet für Landratten jeglicher Art, auch wenn es an Bord so gut wie nicht schaukelt. Alle Touristen und erholungsbedürftigen Hauptstädter, die Entspannung suchen und ihr Berlin-Wissen auffrischen wollen, sollten sich jedoch unbedingt einen Nachmittag Zeit nehmen und die Stadt vom Wasser aus erkunden.
Mehr Info: www.sternundkreis.de
Pendler, Touristen, Fußballfans oder Nachtschwärmer – die S-Bahn eignet sich grundsätzlich für jeden. Weniger Fahrspaß bietet die S-Bahn Einzelgängern und Misanthropen – bei durchschnittlich 1,4 Millionen Fahrgästen täglich. Ein „Muss“ für Berlinbesucher und ihre Gastgeber, ein „Nicht-Unbedingt“ für Kinder. Und an alle gestressten Alteingesessenen geht die Aufforderung: Entdecken Sie die Langsamkeit und die Großartigkeit dieser Stadt. Es lohnt sich! Menschen, die anderen gerne beim Arbeiten zusehen. Und solche, die sich gerne mit ihrem Fahrer unterhalten.

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Immer in Bewegung bleiben

Wie man in dieser Stadt von einem Ende wieder am Anfang ankommt

Cartoon
Ist das echte Servicementalität oder einfach nur Sturheit? Irgendwie scheinen Berliner Beförderungsbetriebe ja besonders halsstarrig zu sein — Airlines gehören übrigens auch dazu. Gut, dass Cartoonisten so was auf die Schippe nehmen dürfen. Übrigens auch immer aktuell online auf www.toonpool.com.

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