Oh Tannenbaum! In der Weihnachtszeit brennen oft nicht nur die Kerzen. Eine schwelender Wachsstummel im vertrockneten Adventskranz, ein Kurzschluss in der Lichterkette oder ein unerwarteter Funke aus dem Kamin können schnell einen Brand verursachen. Dann hilft nur schnelles Handeln, um Wohnung und Leben zu retten. Während Rauchmelder in der Industrie und in öffentlichen Gebäuden inzwischen weitgehend Standard sind, hinken Privathaushalte noch immer hinterher.
Die Sensibilität für das Thema ist zwar groß: Rund 82% der Deutschen sind für eine Rauchmelderpflicht auch in Wohnhäusern, ermittelte das Fraunhofer Institut 2005. Dennoch verfügen nur 29% der bundesdeutschen Wohnungen über die lebensrettenden Geräte. Ob diese bei Neu- und Umbauten installiert werden müssen, regelt die Bauordnung des jeweiligen Bundesamtes. Doch auch in bestehenden Haushalten steht einer Installation der kleinen elektronischen Rauchmelder nichts im Wege, denn diese können einfach montiert werden und benötigen dank Batteriebetrieb keine weitere Elektroinstallation. Mit dem kleinen 1x1 der Handwerker ausgerüstet, ist die Installation der Geräte spielend einfach.
Feuer
ist schön — so lange man es kontrolliert.
Doch Rauchmelder ist nicht gleich Rauchmelder und bei der Wahl des passenden Gerätes müssen grundlegende Dinge bedacht werden, wie zum Beispiel der Gerätetyp. Die größte Verbreitung haben Ionisationsrauchmelder und fotoelektrische Rauchmelder, die sich in ihrem technischen Aufbau deutlich voneinander unterscheiden. Der Ionisationsrauchmelder arbeitet mit äußerst geringer radioaktiver Alphastrahlung. Die Strahlung erzeugt zwischen zwei elektrisch geladenen Metallplatten Ionen und damit einen konstanten Stromfluss. Im Brandfall sorgen bereits optisch kaum sichtbare Rauchmengen durch ihre elektrostatische Anziehung für eine Störung des Stromflusses und als Resultat löst der Rauchmelder Alarm aus. Der hohen Rauch-Empfindlichkeit dieser Geräte stehen allerdings Nachteile wie zum Beispiel strenge Sicherheitsauflagen durch die Verwendung radioaktiver Stoffe oder die Entsorgung als Sondermüll entgegen.
Unkomplizierter gestaltet sich der Einsatz so genannter fotoelektrischer Rauchmelder, die nach dem Streulichtverfahren arbeiten. In einer Rauchkammer wird die Umgebungsluft mit Hilfe einer Infrarot-Leuchtdiode angestrahlt - klare Luft reflektiert dabei so gut wie kein Licht. Befinden sich hingegen Rauchpartikel in der Luft, lenken diese Teile der Lichtstrahlen ab. Eine lichtempfindliche Fotodiode misst dabei permanent die Stärke der ankommenden Infrarotquelle und löst bei zu starker Rauchbildung Alarm aus. Egal für welchen Gerätetyp Sie sich entscheiden, der Rauchmelder sollte in jedem Fall der Qualitätssicherung nach den DIN-Normen entsprechen und mit dem VdS-Prüfzeichen des Verbandes der Sachversicherer in Deutschland zertifiziert sein.
Bei der Anbringung der Geräte ist darauf zu achten, dass sie nach Möglichkeit an der Decke installiert werden, da sich der Rauch dort zuerst sammelt. Bei sehr hohen Räumen ist allerdings ein Mindestabstand zur Decke einzuhalten. Die einzelnen Rauchmelder können übrigens auch per Drahtleitung oder Funkstrecke miteinander verbunden werden und lösen im Brandfall Alarm in allen Räumen aus, so ist auch in großen Wohnungen eine rechtzeitige Alarmierung stets garantiert. Dafür brauchen sie aber selbstverständlich eine Stromquelle, wofür sich die Verwendung von Alkali- oder Lithiumbatterien empfiehlt, um eine möglichst lang anhaltende Funktion der Rauchmelder sicherzustellen. Aber ein wachsames Auge schadet nie, denn trotz automatischer Warnsysteme bei nachlassender Batteriespannung müssen Rauchmelder regelmäßig kontrolliert werden – und das nicht nur zur Weihnachtszeit.
In Ländern wie Amerika, Kanada oder Australien sind sie Pflicht. In Deutschland sieht man sie eher selten. Laut dem Experten Matthias Waligora von der Berliner Feuerwehr sollte sich das jedoch so schnell wie möglicht ändern. Warum, erklärte er im Interview mit Die Neue Wohnung:
In Deutschland gibt es bis heute keine einheitliche
Rauchwarnmeldepflicht. Ist dies ein Hinweis darauf, dass Brandmelder
gar nicht so effektiv sind, wie angenommen?
Absolut nein! Rauchwarnmelder (RM) sind die Lebensretter Nr.1 beim
Brand. Dennoch gibt es pro Jahr immer noch ca. 600 Brandtote. Der Ausstattungsgrad
hat sich zwar schon von zwei Prozent 1995 auf ca. 35 Prozent 2006 erhöht.
Eine RM-Pflicht würde jedoch in Berlin von der Feuerwehr begrüßt
werden.
Wie viele Brandunfälle hätten Ihrer Meinung
nach mit einem in der Wohnung installierten Brandmelder vermieden werden
können?
Englische Studien ergaben, dass die Hälfte aller Brandtoten noch
leben könnten, wären überall RM installiert gewesen.
Es
gibt verschiedene Arten von Brandmeldern: automatische Melder, Brandgasmelder,
Wärmemelder und ganz klassisch die Rauchmelder. Welcher Melder
passt zu welcher Wohnung?
Das ist relativ einfach: es genügt der klassische Rauchwarnmelder
mit einem neun Volt Batterieblock. Der tut ein bis zwei Jahre sicher
seinen Dienst. Wer 5-8 Jahre Ruhe haben möchte, wählt eine
(teurere) Lithiumbatterie.
Gerade in den Räumen, wo eine erhöhte Brandgefahr
besteht, wie in der Küche, kann schon ein angebrannter Toast den
Alarm auslösen. Wie vermeidet man einen Fehlalarm?
Die Berliner Feuerwehr rät, keine RM in Bädern (Wasserdampfbildung)
und Küchen (Wrasenbildung beim Kochen) zu installieren – so
vermeidet man Fehlalarme. Im Gegensatz zu vielen Vorurteilen führt
Rauchen im Normalfall nicht zum Fehlalarm.
Wo in der Wohnung sollten Feuermelder generell angebracht
werden, damit eine schnellstmögliche Warnung garantiert ist?
Der Mindestschutz wird mit einem RM in der Wohnungs-/Wohnraummitte
bzw. im Flur garantiert.
Genauso gilt: mindestens ein RM pro Wohnebene und zwar an der Decke.
Besserer Schutz wird mit zusätzlichen RM in Kinderzimmern und
vor Schlafzimmern wegen des Zeitvorteils nach Auslösung erreicht.
Es gab immer wieder auch Skandale, wo nicht oder nur
bedingt funktionierende Plagiate auf dem deutschen Markt verkauft wurden.
Worauf muss man beim Kauf eines Gerätes achten, damit man sich
nicht fälschlich in Sicherheit wiegt?
Am besten orientiert man sich an gültigen Siegeln. Das VdS-Zeichen
bietet die Sicherheit, ein geprüftes und von den Feuerwehren bestätigtes
Produkt zu erwerben.
Wo kann man sich in Berlin zu der Thematik erkundigen?
Gibt es einen Service, der auch die Montage übernimmt?
Die Berliner Feuerwehr berät gerne unter der Telefonnummer: 387
10 964. €ltere Menschen werden gebeten, Verwandte oder den Hausmeister
zu bitten, den RM zu installieren. Das dauert im Regelfall nicht länger
als 10 Minuten.
Welche Kosten sind mit einer Anschaffung von Rauchmeldern
verbunden?
Seit 1995, dem Kampagnenbeginn der Berliner Feuerwehr von „RM
retten Leben“ sank der Durchschnittspreis von umgerechnet 50 € auf
5 € pro Stück. Soviel sollte einem die eigene Sicherheit
schon wert sein.
Warum braucht man einen Rauchmelder?
Weil Rauch viel schneller und lautloser ist als Feuer und schon eine
Lungenfüllung von Brandrauch tödlich sein kann. Gerade weil
Rauch so schnell und leise durch das Haus zieht, werden zwei Drittel
aller Brandopfer nachts im Schlaf überrascht.
Wie
funktionieren Rauchmelder?
Sie verfügen meist über eine Messkammer, in der in bestimmten
zeitlichen Abständen kurzzeitig eine Lichtquelle eingeschaltet
wird. Treten Rauchpartikel in diese Messkammer ein, aktiviert das dabei
entstehende Streulicht eine Fotozelle. Diese löst wiederum die
Alarmierung aus und warnt durch einen lauten Signalton.
Ist das Anbringen eines Rauchmelders schwierig?
Häufig müssen nur ein bis zwei Schrauben eingeschraubt werden.
Wo sollte der Rauchmelder angebracht sein?
Der Rauchmelder sollte an einer zentralen Stelle im Haus angebracht
werden wie z.B. im Flur. Zudem sollte jedes Kinderzimmer mit einem
Rauchmelder versehen werden. Haben Sie mehrere Rauchmelder? Dann sollte
man darauf achten, dass diese untereinander verbunden sind. So werden
Sie auch gewarnt, wenn das Feuer in einem entlegenen Teil des Hauses
ausgebrochen ist.
Sollten auch in Küche und Bad Rauchmelder angebracht
werden?
Nein, denn Wasserdämpfe führen häufig zu Fehlalarm.
Wie verhalte ich mich bei einem Brand?
Verlassen Sie so schnell wie möglich die brennenden Räume.
Bewegen Sie sich bei starkem Rauch in Bodennähe. Feuer braucht
Sauerstoff, um sich auszubreiten! Lassen Sie Türen und Fenster
in brennenden Räumen geschlossen. Benachrichtigen Sie die Feuerwehr
(Rufnummer: 112).
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