Elektrische Energie ist weitaus stärker leitungsgebunden als Erdgas, Heizöl oder gar Benzin. Gas kommt zwar üblicherweise ebenfalls per Leitung ins Haus, aber in noch nicht erschlossenen Regionen ist eine Belieferung per Tankwagen ebenso üblich wie beim Heizöl oder Benzin. Strom jedoch ist immer auf Freileitungen und/oder Kabel angewiesen. Alle elektrischen Leitungen, die untereinander leitend verbunden sind, bilden zusammen das Stromnetz. Mit diesem Netz wird den Kunden der benötigte Strom zu jeder Zeit in der gewünschten Menge zur Verfügung gestellt.
Nach neuesten Berechnungen des VDN unterhalten die deutschen Elektrizitätsversorger insgesamt ein Stromnetze von 1,65 Millionen Kilometern Länge. Die Transport- und Verteilsysteme sind dabei für unterschiedliche Zwecke in vier Spannungsebenen gegliedert, vergleichbar mit Autobahnen, Bundes-, Land- und Ortsstraßen.

In den überregionalen Übertragungsnetzen wird mit Höchstspannung von 220 und 380 Kilovolt (kV = 220.000 bzw. 380.000 Volt) gearbeitet. Die Höchstspannungsleitungen transportieren die elektrische Energie von den Großkraftwerken über große Entfernungen zu Umspannanlagen in der Nähe der Verbrauchsschwerpunkte. Kunden in diesem Bereich sind regionale Stromversorger und sehr große Industriebetriebe. Über diese Strom-Autobahnen wird auch der grenzüberschreitende Stromhandel physikalisch abgewickelt.
Regionale und große städtische Verteilungsnetze werden mit Hochspannung (110 kV) und Mittelspannung (6 bis 60 kV) betrieben. Die Hochspannungsleitungen übertragen elektrische Energie zu den Verbrauchszentren zum Beispiel Industriebetriebe, lokale Stromversorger oder Umspannanlagen. In solchen Umspannanlagen wird die Spannung auf Mittelspannungsniveau abgesenkt (transformiert). Die Mittelspannungsleitungen in den Stadtgebieten werden meist mit 10 kV betrieben. Betriebsspannungen von 20 kV findet man vorwiegend im ländlichen Bereich, da hier größere Entfernungen als im Stadtgebiet zu überbrücken sind. An die Mittelspannung sind Industrie- und größere Gewerbebetriebe angeschlossen.
Haushalte, kleinere Gewerbebetriebe und die Landwirtschaft verfügen jedoch ausschließlich über Geräte, die mit Niederspannungen von 230 Volt beziehungsweise 400 Volt betrieben werden. Folgerichtig muss die Mittelspannung zur Einspeisung ins örtliche Niederspannungsnetz erneut transformiert werden.
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